Gedenk-Momo für Frau Palme-Becker

Gedenk-Momo für Frau Palme-Becker

Eine Person mit Brille, schwarzem Blazer und weißem Hemd steht lächelnd vor den mit Büchern gefüllten Bücherregalen auf dem Campus Klarenthal. ErinnerungFrauPalmeBecker

Liebe Schulgemeinschaft, liebe Kollegen, liebe Schüler,

Wir möchten gemeinsam an unsere geliebte Lehrerin, Schulpfarrerin und Seelsorgerin Frau Stefanie Palme-Becker zu erinnern. Vor den Herbstferien haben wir in tiefer Trauer Abschied genommen. Wir möchten, dass ihre wertvolle Arbeit für unsere Schule nie in Vergessenheit gerät.

Wir denken an sie mit dem Spruch „Ihr sollt ein Segen sein“. Frau Palme-Becker war es immer sehr wichtig, bei den akademischen Verabschiedungen einen Segen für die Schüler zu sprechen, wenn diese mit dem Abschlusszeugnis in der Hand in die große Welt gehen. Sie hatte sich schon sehr auf unseren Abiball im Juni gefreut und ihre Abschlussrede wird uns sehr fehlen.

Lasst mich kurz daran erinnern, wo der Satz „Ihr sollt ein Segen sein“ seinen Ursprung hat: Er stammt aus dem 1. Buch Mose der Bibel. Es ist eine Zusage, die Gott Abraham gibt. Abraham soll seine Heimat verlassen und in ein neues, ungewisses Land aufbrechen. Gott verspricht ihm: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

Frau Palme-Becker war ihr ganzes Leben lang ein Segen für die Menschen auf der Erde. Sie hat uns verlassen, aber es gibt mir sehr viel Kraft, zu wissen, dass sie nun im Himmel ist und dort jeden Tag in den buntesten Kleidern herumläuft und überall mit ihrer Geige Lieder spielen wird. Vielleicht trägt sie heute ihr knallgrünes Kleid mit passenden bunten Schuhen, das ich immer so gerne an ihr mochte. Sie wird dort gar nicht mehr so auffallen, wie sie es hier manchmal auf dem Schulhof tat, denn für sie werden dort überall Regenbogen sein.

Aber es gibt noch weitere Gründe, warum ich diesen Spruch gewählt habe. Frau Palme-Becker mochte Kirchentage sehr gerne. Das ist ein ganz großes Treffen mit über 100.000 Teilnehmern, welches alle zwei Jahre stattfindet. Mein erster Kirchentag war 2003 in Berlin und das war das Motto, das hatte Stefanie noch gut in Erinnerung. Und das Besondere: es war der erste Ökumenische Kirchentag, das bedeutet er wurde von Katholiken und Protestanten gemeinsam veranstaltet. Dieses Thema war Frau Palme-Becker sehr wichtig, denn sie setzte sich immer sehr für die Ökumene ein. Sie fand den Austausch mit anderen Glaubensrichtungen und anderen Denkweisen immer sehr spannend und man konnte wunderbar mit ihr diskutieren.

Die Werbekampagne zu diesem Kirchentag blieb mir sehr gut in Erinnerung. Es waren immer Bilder von Menschen, die im Alltag wie zufällig einen Heiligenschein über ihrem Kopf hatten. Es sollte alle erinnern, dass wir im Alltag auch ein Segen sein können.

Das ist das Entscheidende: Segen ist kein privates Geschenk zum Festhalten. Es ist eine Start- und Aufbruchsanweisung. Man wird gesegnet, um diesen Segen sofort weiterzugeben und zum Geschenk für andere zu werden. Das Leben von Frau Palme-Becker war genau das: ein unermüdliches Aufbrechen und Weitergeben.

Frau Palme-Becker hat uns allen einen unbezahlbaren Segen geschenkt: den Segen der Haltung.

Ihre größte Stärke war ihre Authentizität. Frau Palme-Becker hat sich nie verbogen. Sie hat sich niemals angebiedert und hatte es nicht nötig, zu gefallen. Sie stand immer für das ein, was sie als richtig und wichtig erkannte.

Ihr klares, aufrichtiges Wort war ein Fels in der Brandung. Sie hatte keine Angst vor schwierigen Gesprächen, weil sie wusste, dass Ehrlichkeit und Klarheit am Ende heilsamer sind als Ausflüchte. Diese Geradlinigkeit war ein Segen, der uns Orientierung gegeben hat.

Und welche Hingabe! Wir alle wissen, dass Frau Palme-Becker selbst in Zeiten ihrer schweren Erkrankung für euch Schüler und uns Lehrer da war. Sie hat aus dem Krankenhaus heraus Kontakt gehalten, Trost gespendet und ihre Verantwortung wahrgenommen. Das ist mehr als Beruf: Das ist gelebte Berufung.

Wir haben durch Frau Palme-Becker erfahren, wie viel Kraft es gibt, wenn ein Mensch sich selbst treu bleibt und für seine Überzeugungen eintritt.

Der Schmerz über ihren Verlust ist tief und wird bleiben. Wir vermissen sie unendlich. Aber als Menschen, die von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung lernen durften, wissen wir: Frau Palme-Becker ist nun an einem besseren Ort. Dort ist der Segen, den sie so freigebig verschenkt hat, nun ihr ewiges Zuhause.

Liebe Schulgemeinschaft, das, was Frau Palme-Becker in all den Jahren in unsere Schule investiert hat, ist nicht verloren. Es liegt nun als großer Schatz und Auftrag in unserer Verantwortung. Ihr Werk lebt in uns weiter, wenn wir das Motto „Ihr sollt ein Segen sein“ zu unserem eigenen machen.

Das ist keine fromme Phrase, das ist eine aktive Anleitung für den Schulalltag:

  1. Seid ein Segen durch Mut und Aufrichtigkeit: Habt den Mut, nicht immer den einfachen Weg zu gehen. Sagt eure Meinung offen und ehrlich, so wie es Frau Palme-Becker getan hat. Seid kein Fähnchen im Wind, sondern steht fest.
  2. Seid ein Segen durch Achtsamkeit: Schaut genau hin. Wer in der Klasse oder auf dem Schulhof ist heute leise? Wer braucht ein offenes Ohr? Wer fühlt sich unwohl? Seelsorge beginnt bei uns – in der kleinen Geste des Zuhörens.
  3. Seid ein Segen durch Versöhnung: Tragt keine unnötigen Konflikte mit euch herum. Dort, wo Streit ist, bietet die Hand zur Versöhnung. Verhindert, dass sich Negativität ausbreitet.

Und vielleicht habt ihr es schon erkannt, wir werden in Zukunft jeden Tag an diesen Spruch erinnert, wenn wir das Große Haus betreten. Wenn ihr nämlich vor dem Kubus steht, dann ist ein Kreis über euch, der euch daran erinnert, dass auch ihr ein Segen für unsere Schule sein könnt.

Wenn wir diese Werte in unserem Schulleben verankern – wenn wir mutig, ehrlich und achtsam miteinander umgehen – dann wird der Segen, den Frau Palme-Becker in unsere Schule gebracht hat, nicht enden. Er wird in jedem von uns weiterleben und unsere Schule zu einem Ort machen, an dem Menschlichkeit großgeschrieben wird.

Wir danken Dir, liebe Frau Palme-Becker, liebe Stefanie. Dein Leben war ein unschätzbarer Segen für uns alle.